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Warum ich mir häufig selbst im Wege stehe

Kennt ihr das? Man möchte so gerne etwas machen, ausprobieren. Aber es wird nichts draus. Bei mir ist der Grund häufig mein Perfektionismus. Ich denke zum Beispiel, wenn ich mir ein Kleid nähen möchte, dass es genauso gut werden muss wie, wenn es ein Profi näht. Und ich weiß, dass es so gut nicht werden kann. Mir fehlen Erfahrungen und Kenntnisse. Was ist das Resultat? Ich kaufe mir eine tolle Nähmaschine (das ist mein Mann Schuld, ehrlich), Schnitte im Internet und Stoffe sowie weiteres notwendiges Zubehör. Wenn die Sachen dann da sind, schaue ich sie glücklich an und stecke die Stoffe direkt in die Waschmaschine (wie ich es gelernt habe). Und dann? Ja dann….. liegen sie oben in meinem Büro, wo auch ohne Stoffe schon wenig Platz ist. Und ich denke so, dass ich die ganzen wunderschönen Stoffe vernähe, wenn ich Zeit habe. Irgendwann stelle ich dann fest, dass die gewaschenen Stoffe immer noch auf ihre Verarbeitung warten. Aber ich habe schließlich keine Zeit. So, wie wir alle. 

Stimmt das wirklich? Was meinst du? Wenn ich ganz tief in mich hinein horche, dann nicke ich erst sehr vehement und überzeugt mit meinem Kopf. Richtig, ich habe schließlich keine Zeit. Ich bin ein Opfer im Hamsterrad. Und das Rad ist so schnell, dass ich es nicht mehr anhalten kann um mich gemütlich unten reinzulegen und nur sanft hin und her zu schaukeln oder mich an die Nähmaschine zu setzen.

Habe keine Angst vor der Perfektion. Du wirst sie nie erreichen.

Salvador Dalimaler / grafiker / schriftsteller

Dann horche ich nochmal ein Stück tiefer in mich hinein. Und plötzlich bin ich etwas verunsichert. Ich überlege, ob ich vielleicht beispielsweise doch etwas weniger auf mein Handy schauen könnte, um die Zeit zum Nähen zu nutzen. Ja, das könnte ich wohl machen. Dann ist es doch nicht die fehlende Zeit? Denn zum Bücher lesen oder Bücher / Podcasts hören nehme ich mir die Zeit ja schließlich auch. 

Ertappt. Wenn ich will, habe ich also doch Zeit. So ein Mist. Warum nähe ich mir dann den Hoodie, das Kleid und meine Jogpants nicht? Es ist doch alles da und die neue Nähmaschine fädelt sogar selber ein. Geniales Teil. Nähen hat auf mich sogar eine entspannende Wirkung. Also zumindest dann, wenn alles klappt. Und mit dieser Aussage komme ich mir dann auf die Schliche. Wenn alles klappt, ist alles gut. Was aber, wenn es nicht klappt und das Projekt nicht funktioniert? Der gute Stoff und meine kostbare Zeit. Alles umsonst. Da ist sie die Sorge es nicht gut genug zu machen. Kein perfektes Ergebnis zu liefern. Also statt das Risiko einzugehen, denn Stoff unbrauchbar zu machen lasse ich ihn lieber ungenutzt herumliegen. Jetzt wo ich das so schreibe, fällt mir auf, was das für ein Schwachsinn ist. Und wie kann ich gut werden? Da gibt es bekanntlich nur den Weg des immer wieder TUN und ausprobieren und Fehler machen. 

Aber es gibt noch andere und noch schlimmere Auswirkungen meines Perfektionismus. Meine Yogalehrerausbildung ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Mehr als 10 Jahre habe ich immer wieder überlegt, ob ich die Ausbildung machen soll. Immer wieder ist mir dann der Gedanke meiner Unsportlichkeit gekommen. Ehrlich. Ich mag es nicht mich körperlich übermäßig anzustrengen. Bewegung finde ich gut. Aber bitte gemütlich. Lieber Ausdauer als Sprint. So kann man das wohl gut umschreiben.

Im letzten Jahr war ich dann 3 Wochen in Uganda und hatte Zeit für mich und meine vielen tausend Ideen und ich habe Yoga gemacht. Das hat mir so viel Freude gemacht, dass ich mich spontan noch von Uganda aus per WhatsApp zu einer Yogalehrerausbildung angemeldet habe. Aber ihr Lieben, die Geschichte geht jetzt erst richtig los. Ich bin nicht nur unsportlich, sondern auch noch im Ellenbogengelenk und im Kniegelenk eingeschränkt belastbar. Eine Erbkrankheit, die nichts mit Glaubenssätzen oder mehr Training zu tun hat. Das ist mir mit 49 Jahren natürlich nicht neu. Aber, was soll es. Wenn ich eine echte und gute Yogalehrerin werden will, muss ich mich eben mehr anstrengen und mehr trainieren. 

Der herabschauende Hund ist für mich eine solche Tortur geworden, dass ich als Ergebnis über Wochen schmerzende Schultern geerntet habe und jegliche Lust an meiner morgendlichen Yogapraxis verloren habe. Ich war so wütend auf mich und konnte mir nicht einmal schmerzfrei die Haare waschen. Warum habe ich das gemacht? Logisch, ich wollte ganz einfach die perfekte Yogini sein. Und was bin ich denn für eine Yogalehrerin, wenn ich nicht einmal den herabschauenden Hund hinkriege? Bitte. Dann kann ich es auch ganz sein lassen. 

Da Aufgeben nicht zu meinen Optionen gehört, trainieren zu schmerzhaft und nicht zielführend war, habe ich mir “Profihilfe” geholt. Und siehe da, ich habe gelernt Asanas auf mich abzustimmen anstatt umgekehrt. Und ich kann euch zwei erhellende Geheimnisse erzählen. Meine Schulterschmerzen lassen gerade nach und der Bewegungsradius der Schultern nimmt wieder zu. Und was mindestens genauso wichtig ist, ich habe meine Freude am Yoga wiedergefunden. Jeden Morgen gehe ich mit Freude im Herzen auf die Matte und führe meine Praxis durch. Oft singe ich im Anschluss aus voller Kehle ein Mantra mit (was nicht alle Menschen in meiner Umgebung glücklich macht). Ich gehe beschwingt und glücklich in den Tag. Und das nur deshalb, weil ich den Perfektionismus endlich loslassen konnte. Ich bin nicht perfekt. Und den herabschauenden Hund habe ich auch losgelassen. Es gibt so viele wunderbare Alternativen, die ebenfalls herausfordernd sein können aber viel besser zu mir passen.

Und was richtig toll ist an der Erfahrung unperfekt glücklich zu sein? Ich kann es auf andere Bereiche plötzlich übertragen. Entweder ich gestehe mir die Fehler und unperfekten Ergebnisse zu um immer besser zu werden oder ich finde Alternativen, die besser zu mir passen. 

Warum wollte ich immer perfekt sein? Auch das ist mir klar geworden. Erwartungen anderer erfüllen, geliebt und respektiert werden. Ich habe meine Mitarbeiter unbewusst unter Druck gesetzt mit Forderungen nach perfekten Ergebnissen. Habe mir selber zu viel Arbeit aufgebürdet, um meine Mitarbeiter zu entlasten und weil ich das natürlich alles viel besser kann. Oje.

Optimieren kann man sicher in fast allen Bereichen. Perfekt sein ist dagegen wohl unmöglich. Ich kann nicht jeden zufrieden stellen. Und ich kann nicht jahrelang 70 Stunden in der Woche arbeiten, dabei stets freundlich sein, fehlerfrei arbeiten und dann auch noch Glücksgefühle haben. Perfekt bin ich in diesem Hamsterrad ganz sicher nicht.

Tschüss Perfektionismus und ein großes Hallo an die energiegeladene fröhliche Symphonie meines Lebens. 

Ich coache Frauen, die mehr vom Leben wollen. Wer Lust hat, mehr von mir zu erfahren kann sich gerne auf meiner Webseite umsehen oder mit mir einen unverbindlichen ersten 30-minütigen Gesprächstermin via Teams vereinbaren.

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